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Hirnholz-Parkettkonstruktion und Raumklima – Was ist zumutbar?

 

In einer Kantine wurden auf einer Gesamtgrundrissfläche von ca. 150 m² so genannte „Hirnholz-Parkettböden“ vollflächig geklebt verlegt. Im Gegensatz zu einem üblichen/herkömmlichen Holzpflaster weist dieser Hirnholz-Parkettboden lediglich eine Gesamtdicke von 18 mm auf. Weitergehend wurde die Holzart „Eiche“ gewählt, also eher eine „ruhige“ bzw. „unauffällige“ Holzart hinsichtlich des Quell- und Schwindverhaltens und den Holzfeuchte-Wechselzeiten. Der Untergrund in dem zur Rede stehenden Bauvorhaben wurde unter Verwendung einer speziellen, zementären Parkettspachtelmasse vollflächig in der „Rakeltechnik“ gespachtelt. Hierbei wurden Auftragsstärken von ca. 3 mm realisiert.


Anschließend wurde der Hirnholzparkettboden unter Verwendung eines 2-K-Reaktionsharzklebstoffsystems „schubfest“ geklebt. Die Oberflächenbehandlung des Hirnholz-Parkettbodens erfolgte anschließend durch ein „Hartwachsöl“.

 

Unübliches/überproportionales Fugenbild

 

Innerhalb der nachfolgenden Heizperiode/in den Wintermonaten wurde die Hirnholz-Parkettebene durch den Auftraggeber beim Auftragnehmer hinsichtlich eines auffälligen Fugenbildes beanstandet/reklamiert, wie auf den Fotos 1 und 2 deutlich zu erkennen ist.

 

 

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Foto 1

 

 

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Foto 2

 

 

Da diese Sachverhalte nicht nur den optischen Gesamteindruck der Hirnholzparkettebene, sondern insbesondere auch die Reinigungs- und Pflegemaßnahmen erheblich beeinträchtigen, wurde das Institut für Fußbodenbau beauftragt, die Hirnholzparkettebene entsprechend zu überprüfen und hinsichtlich der Ursachen für die Fugenbildungen und insbesondere der notwendigen Maßnahmen ein Sachverständigengutachten zu erstatten.

 

Hirnholz-Parkettboden liegt lose!

 

Zunächst einmal konnten im Rahmen der Gutachtertermine die erheblichen Fugenbildungen bestätigt werden, welche über die gesamte Grundrissfläche der Kantine vorlagen (vgl. Foto 3).

 

 

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Foto 3

 

Weitergehend waren jedoch auch „Überstände/Höhendifferenzen“ zwischen einzelnen Parkettblöcken feststellbar/nachweisbar, wie auf Foto 4 deutlich zu erkennen.

 

 

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Foto 4

 

Auf der gesamten Grundrissfläche waren großflächige, ja nahezu vollflächige, Hohlleger/Hohlstellen der Hirnholz-Parkettebene feststellbar. Ein 100 %iger Kohäsionsbruch innerhalb des zementären Parkettspachtelmassensystems lag vor, wie Bild 5 zeigt.

 

 

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Foto 5

 

Die Holzfeuchten der Hirnholzparkettebene wurden unter Verwendung eines elektronischen Prüfgerätes (GANN-Hydrotmette „RTU 600“ + Einschlagelektrode „M 20“) mit 4,8 – max. 8,5 % festgestellt/nachgewiesen, wobei Werte von 4,8 – 6 % im überwiegenden Teil der Messungen vorlagen. Im Rahmen von gravimetrischen Feuchtigkeitsbestimmungen wurden diese niedrigen Holzfeuchten der Hirnholzparkettebene bestätigt. Prüfmaßnahmen hinsichtlich des Raumklimas ergaben Raumlufttemperaturen von ca. 19 – 19,2 °C und relative Luftfeuchtigkeiten von 24 – 27 %. Im Eingangsbereich der Kantine war der Hirnholz-Parkettboden durch eine rückseitig gummierte textile Sauberlaufzone abgedeckt, wie auf Foto 6 zu erkennen.

 

 

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Foto 6

 

Unterhalb dieser Sauberlaufzone wies der Hirnholzparkettboden zum einen kein Fugenbild und keine Ablösungen vom Untergrund auf; zum anderen waren hier Holzfeuchtigkeiten um 11 % feststellbar/nachweisbar (vgl. Fotos 7 und 8).

 

 

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Foto 7

 

 

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Foto 8

 

Reinigungsempfehlung mit Hinweis auf Raumklima wurde nachweislich übergeben

 

Durch den Auftragnehmer Parkettarbeiten wurde eine Reinigungs- und Pflegeanleitung für den Hirnholz-Parkettboden nachweislich übergeben. Dieser Reinigungs- und Pflegeanweisung sind ebenfalls Hinweise für das notwendige Raumklima zu entnehmen, welches durch den Nutzer/Bauherrn einzuhalten ist. Hierbei wird in der Reinigungs- und Pflegeanleitung darauf hingewiesen, dass bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 50 % geeignete klimatische Bedingungen für den Aufenthalt von Personen und die Nutzung des Parkettbodens gegeben sind.

 

Weitergehend wurde vor Ort zu Protokoll gegeben, dass über eine Belüftungsanlage Luft aus dem Außenbereich in die Kantine transportiert wird. Vorher findet eine Erwärmung dieser Luft statt, um die Räumlichkeiten hinsichtlich der Nutzung zu beheizen. Wie zuvor bereits beschrieben, konnten zum Zeitpunkt des Gutachtertermins insbesondere relative Luftfeuchtigkeiten von 24 – 27 % bei einer Raumlufttemperatur von ca. 19 °C festgestellt werden. Hierbei handelt es sich um völlig ungeeignete raumklimatische Bedingungen für Parkettböden, insbesondere jedoch für Hirnholz-Parkettböden. In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass trotz der Holzart „Eiche“ Hirnholz-Parkettböden eine kurze Feuchtewechselzeit und insbesondere ein deutlicheres Quell- und Schwindverhalten aufweisen, als dies bei üblichen Eiche-Parkettböden der Fall ist.

 

Die nachfolgende Grafik 1 zeigt die Abhängigkeit der Holzfeuchte von der Raumluftfeuchte und Oberflächentemperatur. (Quelle: Schadenfreies Bauen – Schäden an Holzfußböden; Rapp/Sudhoff)


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Grafik 1

 

Bei den in dem Projekt/Bauvorhaben vorliegenden raumklimatischen Bedingungen muss die Holzfeuchtigkeit zwangsläufig auf Werte zwischen 5 % und 6 % absinken. Allgemein bekannt dürfte die Grafik zur Sorptionsgleichheit von Holz nach Keylwerth sein (vgl. Grafik 2). Vergleicht man die angegebenen Werte in der Grafik von Keylwerth, so wird schnell deutlich, dass sich bei raumklimatischen Bedingungen von
25 % relativer Luftfeuchtigkeit und ca. 20 °C die Holzfeuchte über einen definierten Zeitraum auf 5 – 6 % einstellen muss.

 


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Grafik 2

 

 

Reinigungsempfehlung mit Hinweis auf das Raumklima und deren „Zumutbarkeit“ für den Bauherrn

 

Grundsätzlich wurde eine Reinigungsempfehlung mit den entsprechenden Hinweisen auf die Einhaltung des Raumklimas nachweislich übergeben, so dass der Bauherr grundsätzlich die Möglichkeit hat, die raumklimatischen Bedingungen so zu beeinflussen, dass Parkettböden „funktionieren“. Als unglücklich ist jedoch jeweils ein Hinweis zu bezeichnen, dass ideale raumklimatische Bedingungen bei 50 % Luftfeuchtigkeit vorliegen. Zum einen fehlt hier häufig in den Reinigungs- und Pflegehinweisen der Hinweis auf die Abhängigkeit der relativen Luftfeuchtigkeit bezogen auf die Raumlufttemperatur und Oberflächentemperatur des Parkettbodens. Zum anderen dürfte es einem Bauherrn in der Praxis nur schwer möglich sein, über den gesamten Jahresverlauf bzw. im Jahresmittel eine relative Luftfeuchtigkeit von ca. 50 % sicherzustellen, insbesondere auch unter Berücksichtigung der regionalen Bedingungen.

 

Zum einen sollte und könnte hier angeregt werden, dass die Hinweise für das Raumklima entsprechend etwas „großzügiger“ gefasst werden. In der Praxis hat sich eigentlich herauskristallisiert, dass ein Holzfußboden bzw. Parkettfußboden hinsichtlich der relativen Luftfeuchtigkeit in einer Spanne zwischen > 40 % und < 65 % funktionieren sollte. Selbstverständlich ist auch hier immer die Abhängigkeit von den jeweiligen Temperaturen zu berücksichtigen. In dem zur Rede stehenden Projekt/Bauvorhaben hat nicht nur eine deutliche Trocknung des Hirnholz-Parkettbodens stattgefunden, da durch den Auftragnehmer Parkettarbeiten die Holzfeuchte vor Einbau gemessen und mit 10 – 11 % protokolliert wurde.

 

Durch das Trocknen des Holzes hat ebenfalls ein erhebliches Schwinden stattgefunden, was sich durch die „schubfeste“ Klebung unter Verwendung eines 2-K-Reaktionsharzklebstoffs hinsichtlich der Scherkräfte direkt auf das zementäre Parkettspachtelmassensystem übertragen hat. Die Folge ist ein Kohäsionsbruch im Spachtelmassensystem, so dass nicht nur ein erhebliches Fugenbild vorliegt, sondern sich die gesamte Hirnholzparkettebene vom Untergrund gelöst hat. In der Praxis bedeutet dies, dass es sich bei der Hirnholzparkettebene um einen so genannten „Totalschaden“ handelt, so dass nur eine Erneuerung des Parkettbodens zu einem für den Bauherrn erträglichen Ergebnis führen kann. Es stellt sich also grundsätzlich die Frage, ob im Rahmen des Angebotes eines Hirnholz-Parkettbodens nicht der Hinweis auf die notwendigen raumklimatischen Bedingungen deutlicher erfolgen sollte, als dies häufig in der Praxis üblich ist.

 

Fazit

 

Bei Holzfußböden und Parkettfußböden handelt es sich um Holzmaterialien, welche hygroskopische Eigenschaften aufweisen. Dies bedeutet insbesondere, dass sich die Holzmaterialien hinsichtlich ihrer Holzfeuchte den klimatischen Bedingungen der Umgebung anpassen. Je nach Parkettart und Holzart geschieht dies unterschiedlich schnell. Weitergehend hängt das hieraus resultierende Quell- und Schwindverhalten von der Holzart ab. Insbesondere bei Hirnholz-Parkettböden ist davon auszugehen, dass die Holzfeuchte-Wechselzeit deutlich kürzer ist und weitergehend das Quell- und Schwindverhalten sehr ausgeprägt stattfindet.

 

Aus den zuvor genannten Gründen sollte gerade bei Hirnholz-Parkettböden deutlich darauf hingewiesen werden, dass definierte raumklimatische Bedingungen einzuhalten sind. Hierbei geht es nicht darum, das Raumklima auf einen Wert von genau 50 % relativer Luftfeuchtigkeit festzulegen, da dies in der Praxis nicht funktioniert. Dem Bauherrn/Nutzer sollte jedoch im Vorfeld ein Fenster für die raumklimatischen Bedingungen (z. B. 40 – 65 % relative Luftfeuchtigkeit in Abhängigkeit zur Temperatur) geöffnet werden. Nur so kann der Nutzer im Vorfeld entscheiden, ob bzw. inwieweit er dazu in der Lage ist, diese raumklimatischen Bedingungen und somit die Funktion des Parkettbodens sicherzustellen; andernfalls sollte auf den Einbau eines vergleichbaren Parkettbodens bzw. Holzfußbodens in den zur Rede stehenden Räumlichkeiten verzichtet werden.

 

Selbstverständlich ist es ebenfalls richtig, die Einbaufeuchte des Holzbodens vor Verlegung zu prüfen. Die Physik lässt sich nicht überlisten. Holzmaterialien sind hinsichtlich ihrer materialspezifischen und insbesondere hygroskopischen Eigenschaften unter Berücksichtigung vorliegender Erfahrungswerte einzuschätzen. Können vor Ort die Gegebenheiten, insbesondere hinsichtlich den raumklimatischen Bedingungen, nicht erfüllt oder eingehalten werden, so sollte auf den Einbau dieser Materialien grundsätzlich verzichtet werden, um den Nutzer/Endverbraucher aber auch den Verarbeiter vor Schäden dieser Art zu schützen.


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