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„Parkett im Museum – Wenn der neue Boden antiker wirkt als die Ausstellungsstücke“

 

In einem Museum wurde ein zweischichtiger Parkettboden mit querverleimter Trä-gerschicht aus Nadelholz und ringsherum verlaufenden Nut-/Federprofilen vollflächig geklebt verlegt. Die Nutz-/Deckschicht aus kerngeräucherter Eiche wies bei Lieferung eine 6 mm Dicke auf. Die Oberflächenvergütung des Zweischicht-Parkettbodens erfolgte herstellerseits geölt und UV-gehärtet. Laut Herstellerangaben handelt es sich hierbei um eine Oberflächenvergütung mit sowohl imprägnierenden als auch filmbildenden Eigenschaften. Hierbei handelt es sich um eine Oberflächenbehandlung der Herstellerin mit ent­sprechender spezieller Reinigungs- und Pflegeanleitung.

 

Der Zweischicht-Parkettboden wurde im englischen Verband ausgerichtet vollflächig geklebt verlegt. Das Foto 1 zeigt den zur Rede stehenden Zweischicht-Parkettboden mit kernge-räucherter Eiche als Deckschicht in dem Museum.

 

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Foto 1

 

Bereits kurz nach Eröffnung des Museums (welche angabegemäß offiziell über zwei Tage stattfand und zu welcher ca. 8.000 Besucher eintrafen) wurde die Oberfläche des Zweischicht-Parkettbodens beschädigt und mit Kontaktschmutz beaufschlagt, so dass der optische Gesamteindruck der dunkelfarbenen, kerngeräucherten Eiche­deckschicht erheblich beeinträchtigt war. Ergänzend wurde zu Protokoll gegeben, dass zum Zeitpunkt der Eröffnung des Museums die Außenanlagen noch nicht fertig gestellt waren, so dass durch die Museumsbesucher an diesen zwei Tagen erheblicher Kontaktschmutz eingetragen wurde. Weitergehend wurde zu Protokoll gegeben, dass das Museum monatlich von ca. 5.000 Besuchern genutzt wird, so dass eine starke Frequentierung des Zweischicht-Parkettbodens in jedem Fall zu erwarten ist.

 

Ungenügende Reinigungs- und Pflegemaßnahmen

 

Hinsichtlich der Reinigungs- und Pflegemaßnahmen wurde vor Ort zu Protokoll ge-geben, dass einmal täglich feucht gewischt wird. Eingesetzt wurde eine „matte“ Parkettwischpflege für versiegelte Parkettböden. Da der Parkettboden nach ca. drei Monaten Nutzung einen völlig ungenügenden/unzureichenden Reinigungs- und Pflegezustand aufwies und weitergehend eine Vielzahl von Oberflächenbeschädigungen in Form von Kratzern vorlag, wurde das Institut für Fußbodenbau beauftragt, die Parkettebenen zu überprüfen und über die vorgefundenen Sachverhalte ein schriftliches Sachverständigengutachten zu er-statten.

 

Partiell katastrophaler, optischer Gesamtzustand

 

Zum Zeitpunkt des Gutachtertermins wies der zur Rede stehende Zweischicht-Parkettboden insbesondere in den Hauptlaufwegen und den Bereichen der Treppenaufgänge sowie insbesondere auch im Fahrstuhl/Lift deutliche Ober-flächenbeschädigungen und Kontaktschmutzanhaftungen auf der Oberfläche auf. Die Fotos 2 und 3 zeigen den Zweischicht-Parkettboden zum einen auf einem Treppenpodest und zum anderen auf der Trittstufe der Treppenanlage.

 

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Foto 2

 

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Foto 3

 

Deutlich sind die erheblichen/überproportionalen Gebrauchsspuren in Form von Kratzern erkennbar. Weitergehend lässt sich der Zweischicht-Parkettboden in diesen Teilflächenbe-reichen nicht mehr korrekt reinigen. Das Gebäude ist zum Teil auch über die Außenanlagen über einen Fahrstuhl/Lift zu erreichen. Das Foto 4 zeigt den Zweischicht-Parkettboden im Fahrstuhl/Lift.

 

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Foto 4

 

Insbesondere im Fahrstuhl/Lift ist von der dunklen Farbgebung der kerngeräucherten Eiche-Deckschicht nichts mehr zu sehen. Eine sach- und fachgerechte Reinigung des Parkettbodens ist in diesem Zustand schlichtweg nicht mehr möglich. In anderen, weniger frequentierten Flächenbereichen hingegen zeigt der Zwei-schicht-Parkettboden insgesamt gesehen noch einen optisch ansprechenden Gesamtzustand, wie das Foto 5 zeigt.

 

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Foto 5

 

In anderen/weiteren Flächenbereichen waren auf der Oberfläche des Zweischicht-Parkettbodens auch Beschädigungen in Form von Kratzern feststellbar/nachweisbar, welche durch mechanische Einwirkung von oben, z. B. beim Transport der Ausstellungsstücke, verursacht werden, wie auf Bild 6 zu erkennen.

 

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Foto 6

 

Beschädigungen entsprechend der Nutzung

 

Im Rahmen der Überprüfungen der Zweischicht-Parkettebene war feststellbar, dass sich die Abnutzungserscheinungen der Oberflächenbehandlung und die Verkratzun-gen/Oberflächenbeschädigungen insbesondere in den Hauptlaufwegen, im Lift, im Korridor und auf der Treppenanlage befinden. In den übrigen Flächenbereichen weist der Zweischicht-Parkettboden vergleichbare Beschädigungen in viel geringerer Intensität auf, so dass der optische Gesamt-eindruck insgesamt gesehen in diesen Flächenbereichen deutlich besser vorliegt.

 

Die laufende Unterhaltsreinigung vor Ort erfolgte nicht sach- und fachgerecht

 

Vor Ort war feststellbar, dass die speziellen Reinigungs- und Pflegeanweisungen der Parkettherstellerin nicht beachtet wurden. Vielmehr wurden diese – wie so oft – in den Objektunterlagen abgeheftet und nie wieder zur Hand genommen. Die Folge ist, dass die Oberfläche des Zweischicht-Parkettbodens – im Hinblick auf die Oberflächenbehandlung der Herstellerin (geölt und UV-gehärtete) – nicht unter Berücksichtigung der speziellen Herstellervorgaben gereinigt und gepflegt wird. Bei dem Zweischicht-Parkettboden handelt es sich letztendlich um eine geölte Oberfläche, auch wenn dieses Öl eine imprägnierende und filmbildende Eigenschaft aufweist und im Rahmen der Herstellung UV-gehärtet wird. Letztendlich wird der Zweischicht-Parkettboden also oberflächenfertig geliefert. Den speziellen Reinigungs- und Pflegeempfehlungen der Herstellerin ist jedoch zu entnehmen, dass unmittelbar nach Fertigstellung der Parkettarbeiten eine Erstpflege durch ein spezielles Pflegeöl der Herstellerin durchzuführen ist.

 

Diese Ersteinpflege erfolgte in dem zur Rede stehenden Projekt/Bauvorhaben nach-weislich nicht korrekt. Weitergehend haben bereits im Rahmen der Fertigstellung und Eröffnung des Muse-ums erhebliche Frequentierungen und Beanspruchungen stattgefunden, welche zu Beschädigungen der Parkettoberfläche geführt haben. Und „last but not least“ wurde auch die laufende Unterhaltsreinigung nicht unter Ver-wendung der von der Herstellerin empfohlenen Pflegemittel durchgeführt. Vielmehr wurde der Boden vor Ort durch den dort tätigen Gebäudereiniger unter Ver-wendung einer Wischpflege für versiegelte Parkettböden gereinigt und gepflegt.

 

Vorbeugende Maßnahmen

 

Es ist grundsätzlich bekannt, dass geölte Oberflächen von Parkettböden einen höheren Reinigungs- und Pflegeaufwand erforderlich machen, als dies bei versie-gelten Parkettböden der Fall ist, insbesondere unter Berücksichtigung der Tatsache, das es sich bei dem Museum um ein stark frequentiertes Objekt handelt. Umso mehr Bedeutung bekommen in diesem Zusammenhang selbstverständlich auch vorbeugende Maßnahmen.

 

In diesem Zusammenhang war vor Ort zu berücksichtigen, dass der Zugang zum Gebäude aus unterschiedlichen Bereichen möglich ist. Zum einen kann direkt über einen Außenbereich der Fahrstuhl/Lift betreten werden. Somit wird der Museumsbesucher nicht über eine Sauberlaufzone oder Schmutz-fangmatte geführt. Zum anderen ist der Zugang über einen Haupteingangsbereich möglich. Hier wird der Besucher über kunstharzbeschichtete Untergründe geführt, so dass im Endeffekt eine Säuberung der Schuhe ebenfalls nicht stattfindet. Wie das Foto 7 zeigt, liegt im Haupteingangsbereich eine funktionstüchtige/funktions-taugliche Sauberlaufmatte nicht vor.

 

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Foto 7

 

Vielmehr befand sich die kokosbasierende Sauberlaufmatte in einem desolaten Reinigungs- und Pflegezustand. Somit sind auch die vorbeugenden Maßnahmen in dem zur Rede stehenden Pro-jekt/Bauvorhaben hinsichtlich der Nutzung des Museums als völlig unzureichend zu bezeichnen. Kontaktschmutz aus den Außenanlagen wurde somit direkt durch das Schuhwerk auf die Parkettoberfläche übertragen.

 

Fazit

 

Auch Museumsflächen können stark frequentierte Bereiche darstellen. In dem zur Rede stehenden Museum ist mit einem durchschnittlichen Besucherver-kehr von 5.000 Personen im Monat zu rechnen. Selbstverständlich ist auch in solchen Flächenbereichen der Einsatz von geölten Parkettböden grundsätzlich möglich. Insbesondere in Museen mit antiken Ausstellungsstücken stellen die geölten Parkett-böden optisch und gestalterisch häufig die bessere Lösung dar, als lackierte Parkett-böden. Umso mehr kommt der Reinigung und Pflege des Parkettbodens eine besondere Bedeutung zu.

 

Zum einen sind entsprechend vorbeugende Maßnahmen notwendig/erforderlich, um über Sauberlaufzonen und Schmutzfangmatten den Eintrag von Kontaktschmutz und Feuchtigkeit zu reduzieren. Zum anderen sind die Reinigungs- und Pflegehinweise des Parkettherstellers sowohl hinsichtlich der zur verwendeten und geeigneten Mittel als auch der Reinigungsintervalle zu beachten. Und letztendlich ist darauf zu achten, dass der Parkettboden auch in diesem Fall das „zeitlich letzte Gewerk“ sein sollte, um dem Auftragnehmer Parkettarbeiten die Mög-lichkeit zu geben, den Parkettboden vor Eröffnung des Gebäudes entsprechend vor Beschädigungen zu schützen. Eine notwendige Übergabe der Reinigungs- und Pflegeempfehlung der Herstellerin hat im zur Rede stehenden Museum durch den Auftragnehmer Parkettarbeiten letztendlich stattgefunden.

 

Der Fehler lag hier also nicht bei dem Auftragnehmer Parkettarbeiten, sondern viel-mehr bei der örtlichen Bauleitung. Die übergebene Reinigungs- und Pflegeanleitung wurde nicht an die zuständigen Personen weitergeleitet und somit nicht genutzt. Der vor Ort tätige Gebäudereiniger hat die Oberflächenbehandlung des Parkett-bodens schlichtweg nicht erkannt und somit unter Verwendung einer ungeeigneten Wischpflege für versiegelte Parkettböden gereinigt und gepflegt. Durch die fehlende Ersteinpflege und die falsche Reinigung und Pflege ist es somit in den stark frequentierten Bereichen bereits nach wenigen Wochen zu erheblichen Be-schädigungen und Verunreinigungen gekommen.

 

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