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Laminat verlegen ist einfach – oder??


Laminatböden oder Schichtstoffelemente sind zwar aus der Historie heraus im Vergleich zu anderen Nutzbelägen „relativ neu“, haben aber dafür in kürzester Zeit eine erhebliche Bedeutung erreicht und eine enorme technische Entwick­lung erfahren. Die nach Einschätzung des Verfassers revolutionärste Weiterentwicklung war die Umstellung von der herkömmlichen Verleimung in Nut und Feder zur me­chanischen Verriegelung, also zum so genannten „Klick-System“! Gerade das Verleimen in Nut und Feder stellte in der Vergangenheit ein nicht zu unterschätzendes Risikopotential dar, sowohl handwerklich als auch mate­rialspezifisch – sollte doch diese Verleimung gleichzeitig einen Schutz der Kante vor einwirkende Feuchtigkeit darstellen.


Heute wissen wir, dass hier insbesondere auch die handwerkliche Leistung überschätzt wurde – nicht, weil die Ausführenden hierzu handwerklich nicht in der Lage waren, sondern insbesondere, weil handwerkliche Leistungen nun mal immer auch Schwankungen und Toleranzen zulassen. Mit dem „Klicksystem“ sollte alles viel einfacher werden und der Verfasser nimmt es vorweg – ist es auch.

Schadensfälle bei Laminatböden sind für Sachverständige rückläufig, weil das Verlegen eben einfacher geworden ist. Aber trotz technischer Weiterentwicklungen und dem „Klicksystem“ bleiben nach wie vor einige Besonderheiten bei der Verlegung zu berücksichtigen. Besonderheiten bei der Verlegung sind nach wie vor zu berücksichtigen!


In unserer täglichen Sachverständigenpraxis entsteht manchmal der Eindruck, dass diese grundsätzlichen Anforderungen an die Verlegung von Laminatbö­den in Vergessenheit geraten. Dabei sind diese Verlegehinweise nicht nur den aktuellen Verlegemerkblättern der EPLF, sondern in wichtigen Punkten auch den Erläuterungen zur DIN 18365 „Bodenbelagarbeiten“ zu entnehmen. Wichtige Sachverhalte, welche bei der schwimmenden Verlegung von Lami­natböden zu berücksichtigen sind, werden an dieser Stelle ohne Anspruch auf Vollständigkeit zunächst einmal wie folgt zusammengefasst:

  •     Laminatboden immer im geschlossenen Paket akklimatisieren/tem­perieren;
  •     raumklimatische Bedingungen kontrollieren und einhalten;
  •     zulässige Restfeuchte des Untergrundes nach DIN 18365 prüfen;
  •     auf mineralischen Untergründen immer eine Dampfbremse einsetzen;
  •     Rand-/Wandfugen von mindestens 8 mm, besser 15 mm, zu allen auf- steigenden Wänden und
        Bauteilen berücksichtigen;
  •     Bewegungsfugenprofile in allen Türübergängen;
  •     Bewegungsfugen auch bei über 8 m Breite und über 12 m Länge;
  •     keine Befestigungen/Montagen durch den Laminatboden in den Untergrund, z. B. Türstopper etc.;
  •     auch schwere Gegenstände, z.B. Aquarien, können die notwendige Dimensionsänderung des
        Laminatbodens beeinträchtigen;
  •     Trittschallunterlagen nach Herstellerempfehlung einsetzen, ggf. kombinierte Trittschallunterlagen
        mit Dampfbremse;
  •     Laminatbodenelemente vor Verlegung auf Überstände/Überzähne
        (max. 0,10 mm – im Einzelfall max. 0,15 mm) und Wölbungen/Schüsselungen (< 0,25 mm) prüfen.

Die zuvor aufgeführten Sachverhalte sind vor und während der Verlegung unbedingt zu berücksichtigen, um eine sach- und fachgerechte Verlegung und ein zufriedenstellendes Verlegeergebnis zu erzielen. Auf die vollflächige Klebung von Laminatböden soll an dieser Stelle nicht gesondert eingegangen werden, da dieser Verlegemethode in der Praxis zurzeit keine große Bedeutung zukommt. In der Praxis treten häufig Mängel auf, welche auch auf die Verarbei­tung zurückzuführen sind! Doch trotz der aufgeführten Sachverhalte, welche vor und während der Verlegung unter Würdigung der aktuellen EPLF-Merkblätter und der DIN 18365 zu berücksichtigen sind, kommt es in der Praxis immer wieder zu erheblichen Mängeln, welche häufig auf die Verarbeitung zurückzuführen sind. Der wohl klassischste Fehler ist das Vergessen oder „Verzichten“ auf eine Dampfbremse (z. B. PE-Folie) auf mineralischen Untergründen. Dampfbremse auf jeden mineralischen Untergrund!


Hierbei wird häufig die irrige Ansicht vertreten, dass dies nur bei nicht be­legreifen Estrichen notwendig ist. Tastsächlich jedoch sollten nicht belegreife Estriche gar nicht mit einem Laminatboden belegt werden. Eine Dampfbremse jedoch ist auf jedem mineralischen Untergrund not­wendig und vorzusehen! Selbstverständlich gibt es unterschiedliche Ausführungen, so z. B. die klassische Variante PE-Folie als Dampfbremse und PE-Schaum als Trittschallunterlage. Es gibt aber auch eine Vielzahl von Unterlagen, welche beide technischen Anforderungen miteinander verbinden. Das nachfolgende Bild 1 zeigt die Aufwölbung eines Laminatbodens auf­grund einer fehlenden Dampfbremse und einer unzureichenden Wand-/ Randfuge.


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Bild 1


Neben der fehlenden Dampfbremse war auch feststellbar, dass eine ausreichende Wand-/Randfuge zu den Wänden hingehend nicht be­rücksichtigt wurde, siehe Bild 2.


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Bild 2


Selbstverständlich ist bei den Rand-/Wandfugen auch darauf zu achten, dass diese nicht zu breit angelegt werden, so dass in den Wintermonaten durch ein Schwinden des Bodens die Sockelleisten nicht mehr decken, wie auf Bild 3 deutlich zu sehen.


image003Bild 3


In den Türübergängen sind Bewegungsfugen innerhalb der Laminat­bodenebene anzulegen. Hierfür haben sich unterschiedliche Systeme bewährt. Am häufigsten werden zweiteilige Profile eingesetzt, wobei zunächst ein Unterprofil auf dem Untergrund montiert wird. Bei Verlegen des Laminatbodens wird beidseitig des Unterprofils eine Randfuge berücksichtigt, welche dann später mit ausreichender Über­deckung durch das Oberprofil abgedeckt wird. Das nachfolgende Bild 4 zeigt eine viel zu breite Fuge im Türübergangs­bereich, welche später nicht mehr entsprechend abzudecken war. Es sei dem verwunderten Betrachter der Hinweis erlaubt, dass hier keine DIY-Verlegung stattgefunden hat!


image004Bild 4


Es sollte eigentlich selbstverständlich sein, dass Anschnitte des Laminat­bodens an Türzargen, Heizungsrohre und andere Einbauteile unter Ver­wendung geeigneter und insbesondere scharfer Werkzeuge erfolgen (siehe Bild 5). Auch dies ist leider in der Praxis nicht immer der Fall, aber dafür gibt es ja „Silikon“!


image005Bild 5


Heute finden wir eigentlich in jedem Haushalt Personalcomputer mit unter­schiedlichstem Zubehör und Zusatzgeräten, DVD-Player und ganze Heim­kinos. Zusätzliche Kabelverlegungen und Installationen sind die Folge. Für Kabelverlegungen gibt es eigentlich spezielle Sockelleistensysteme, welche diese Arbeiten auch einfach durchführbar machen. Aber es geht auch anders, wie Bild 6 zeigt.


image006Bild 6


Auch für das Einschneiden von Heizungsrohren etc. gibt es spezielle Kreisbohrer. Außerdem sollte der Laminatboden an jeder Seite des Rohrs eine ausreichende Randfuge aufweisen und nicht, wie auf Bild 7 dargestellt!


image007Bild 7


Bei Klicksystemen sollten grundsätzlich die Verarbeitungshinweise des Herstellers berücksichtigt werden. Ein zu kräftiges Anschlagen ist in keinem Fall notwendig, so dass Mate­rialabplatzungen in den Randbereichen, wie auf Bild 8 zu sehen, nicht auftreten sollten.


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Bild 8


In ganz gravierenden Fällen, also bei einem starken „aneinanderschlagen“, können auch horizontale Brüche des Laminatbodens auftreten, welche dann Überzähne, also Höhendifferenzen, zur Folge haben. Bild 9 zeigt so einen „horizontalen“ Bruch innerhalb eines Laminatboden­elements, welcher auch durch Einschlüsse/Fremdkörper im Nut-/Federbe­reich beim Zusammenfügen der Elemente auftreten kann.


image009Bild 9


Fazit


Insbesondere Klicksysteme, aber auch andere technische Weiterentwick­lungen, haben die Verlegung von Laminatböden einfacher gemacht und die Fehlerquote signifikant reduziert. Trotzdem sind hinsichtlich der Verlegung die oben genannten Vorgaben der aktuellen EPLF-Merkblätter und der DIN 18365 „Bodenbelagarbeiten“ zu berücksichtigen. Technische Weiterentwicklungen und Verbesserungen der Laminatböden dürfen in der Praxis nicht zu einer gewissen „Oberflächigkeit“ bei der Verarbeitung führen. Besonders zu berücksichtigen sind die Wand-/Randfugen und Bewegungs­fugen bei Laminatböden, der Einsatz einer Dampfbremse auf mineralischen Untergründen und die Technologie beim Zusammenfügen der mechani­schen Verriegelung, also des Klicksystems. Dann sollte einer sach- und fachgerechten Verlegung und einem entspre­chend einwandfreien Ergebnis im Sinne des Endkunden nichts mehr im Wege stehen.


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